Termine

Nächste Stolpersteinverlegung:
Do 9. Juli 2020, 11 Uhr Strombergstr. 20 für
Günther Rüdenauer
08.11.1937 in Stuttgart-Ost - 30.09.1944 Eichberg
- weitere Informationen nachstehend  -

Stolpersteinführungen werden an folgenden Terminen angeboten:
Freitag, 12.06.2020, 17 Uhr Stöckach
Freitag, 26.06.2020, 17 Uhr Gänsheide

Freitag 03.07.2020, 17 Uhr Gablenberg
    Treffpunkt Schulhof Pflasteräckerstraße
Anmeldung hier
- Abstandsregeln und MNS verpflichtend - 

Die Ausstellung „Stein für Stein - Menschen ihren Namen wiedergeben“ ist jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr im MUSE-O zu sehen.

Für die Öffnung von MUSE-O gelten folgende Regeln:

  1. Laut Empfehlungen des Museumsverbandes dürfen nur vier BesucherInnen gleichzeitig im MUSE-O sein. 
  2. Evtl. Wartende müssen den Mindestabstand von 1,5 m einhalten. Der gilt natürlich auch in den Museumsräumen.
  3. Vor jeder Öffnung werden alle Türklinken und Handläufe desinfiziert.
  4. BesucherInnen werden gebeten, vor Betreten der Ausstellungsräume die Hände mit Seife zu waschen und/oder zu desinfizieren
  5. Es gilt im Haus Maskenpflicht.
  6. Es gibt keine Eröffnungsfeier


MUSE-O bittet um Verständnis für die Einschränkungen und wünscht dennoch allen BesucherInnen einen anregenden Besuch der sehenswerten Ausstellung.

Die Ausstellung wird bis 2. August 2020 gezeigt.


Wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihr Interesse an der Ausstellung und Ihre Unterstützung der Erinnerungskultur der Stolperstein-Initiativen.


Über Änderungen informieren wir Sie ggf. hier. 

Bleiben Sie gesund!

Als erste Stolperstein-Initiative in Baden-Württemberg, die sich vor 20 Jahren gründete, begehen wir das Jubiläum mit der Ausstellung "Stein für Stein - Menschen ihren Namen wiedergeben". Das Rahmenprogramm mit Führungen, Lesungen und Konzerten muss aus aktuellem Anlass leider abgesagt werden. 

Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Rahmenprogramm (abgesagt)

- Änderungen werden hier gemeldet - 

Konzert mit dem Gismo-Graf-Trio
in der Petruskirche Stuttgart-Gablenberg
- abgesagt

"Familienabend" zu Käthe Loewenthal mit Theater LOKSTOFF
- abgesagt

"Eine Viktor-Ullmann-Stunde"

mit Christian Moreno (Sprache), Aurea Marston (Sopran), Amador Buda Funentes Manzor (Klavier) 

und Marcus Gerhardts (Ansprache)
- abgesagt


Auf- und Abwärts mit Else Kienle - 1900-1970 - auf  "ihrer Staffel"
- Biografische Vorstellung und gemeinsame Erkundung mit Dr. Mascha Riepl-Schmidt 
- angesagt

"Völker der Erde - Literarische Entgegnung zur Sprache der NS-Justiz" eine
Szenische Lesung u.a. zu Adolf Gerst mit Gabriele Hintermaier, Boris Burgstaller und Wilma Heuken
 -
abgesagt

 

Nächste Stolpersteinverlegungen in Stuttgart: am 09. Juli 2020 Orte und Zeiten 

Wir hoffen, dass wir die geplanten Kulturprogramme zu späteren Zeitpunkten nachholen und Ihnen anbieten können. Bitte unterstützen Sie nach Möglichkeit die Kulturschaffenden, die ohne Auftritte kein Einkommen haben, durch Ihre Spende!

Abgesagt werden musste leider die für Sonntag 15. März 2020 geplante Vernissage im  MUSE-O Stuttgart-Gablenberg.
 

Familienabend - eine Erinnerung für die Zukunft

abgesagt werden mussten leider die für  19.3., 20.3. und 12.5. und 13.5.2020 jeweils um 19 Uhr im MUSE-O  geplanten Vorstellungen. 

Theater Lokstoff bietet einen neuen Erinnerungsraum für die Gestaltung unserer Zukunft. 
Wie in einer Familie werden an diesem Familienabend die Erinnerungen an die Malerin Käthe Loewenthal, die in der Ameisenbergstraße 32 gelebt und gemalt hatte, durch Geschichten, Dokumente und Andenken die Deportierten für einen Moment wieder lebendig, um sie im Gedächtnis unserer Gesellschaft zu verankern und vor dem Vergessen zu bewahren. Lebendige Erinnerung kann nur im fortgesetzten, gemeinsamen Gespräch entstehen. Durch den Familienabend mahnen uns die Stolpersteine nicht nur „Vergesst uns nicht!“, sondern erinnern uns an unsere kollektive Verantwortung für die Zukunft.
Das künstlerische Erbe der jüdischen Malerin Käthe Loewenthal wird von den Großenkeln weiter lebendig gehalten. Bilder der Künstlerin sind auch in der Stolperstein-Jubiläums-Ausstellung zu sehen.

Abgesagt werden musste leider die für Mittwoch 25. März 2020, 14:30 Uhr  geplante Stolpersteinführung am Stöckach.

Abgesagt werden musste leider die für Freitag  22. Mai 2020, 19 Uhr      "Eine Viktor-Ullmann-Stunde".


Programm
  Ansprache zu Leben und Werk des Komponisten

HÖLDERLIN-LIEDER (1943) für Frauenstimme und Klavier
Sonnenuntergang (Wo bist du? Trunken dämmert die Seele mir...)
Der Frühling (Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt...)
Abendphantasie (Vor seiner Hütte, ruhig im Schatten...)
 
2. KLAVIERSONATE Op.19 (~1938)
1. Allegro energico e agitato
2. Moderato.  Thema und 8 Variationen  zu einem mährischen Volkslied,
aufgezeichnet von Leoš Janaček
3. Prestissimo

DIE WEISE VON LIEBE UND TOD DES CORNETS CHRISTOPH RILKE (1944)
Melodram (12 Stücke) aus der Dichtung Rainer Maria Rilke‘s für Sprecher und Klavier

Christiane Moreno                                  Sprache

Aurea Marston                                           Sopran

Amador Buda Fuentes Manzor       Klavier
Marcus Gerhardts                                   Ansprache


Christiane Moreno - Sprache

Aurea Marston - Sopran

Amador Buda Fuentes Manzor       Klavier

Abgesagt werden musste leider das für Dienstag 26. Mai 2020, 19 Uhr Petruskirche S-Gablenberg geplante Konzert mit dem GISMO-GRAF-TRIO

Gismo Graf und sein Vater Joschi Graf, Mitbegründer des Zigeli-Winter-Quintetts, unterstützen die Erinnerungskultur der Stolperstein-Initiativen seit vielen Jahren nachhaltig und engagiert. Wir sind sehr froh, dass das Gismo-Graf-Trio, das auch große Konzerthallen füllt, ein Gedenkkonzert anlässlich des Stolperstein-Jubiläums in Stuttgart-Gablenberg gibt.

Stolpersteinführung am Stöckach Freitag 5. Juni 2020, 17 Uhr - nur mit Anmeldung.
Die kostenlose Führung dauert ca. 1  1/2 Std.

Erfahren Sie von Menschen, die am Stöckach gelebt haben und die in der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. Darunter jüdische Menschen, ein kommunistischer Stadtrat, eine alteingesessene Sintifamilie und kranke Kinder.

Abgesagt werden musste leider die für Mittwoch, 10. Juni 2020, 19 Uhr  geplante Veranstaltung "Auf- und Abwärts mit Else Kienle - 1900-1970 - auf  "ihrer Staffel", die am 7. März 2016 von Mascha Riepl-Schmidt und dem damaligen Sozialbürgermeister Werner Wölfle eingeweiht wurde.
Die frühere "Unperson" Dr. Else Kienle, die sich während der Weimarer Republik mutig gegen den damaligen § 218 engagierte, ist jetzt im Stuttgarter Gedächtnis lokal verankert.

Eine biographische Vorstellung und gemeinsame Erkundung mit Dr. Mascha Riepl-Schmidt.

Abgesagt werden musste leider die für 14. Juli 2020, 19 Uhr in der Stadtteilbücherei Stuttgart-Ost, Schönbühlstr. 88 geplante Veranstaltung „VÖLKER DER ERDE" - Literarische Entgegnungen zur Sprache der NS-Justiz
Szenische Lesung mit Gedichten, Liedern und Theater von Paul Celan, Nelly Sachs und Bert Brecht in der Gegenüberstellung mit Protokollen des Stuttgarter NS-Gerichts von 1944 mit Boris Burgstaller, Gabriele Hintermaier, Wilma Heuken.

Die Sprache: rau, roh, verfälschend, verletzend. Lieder verführend, manipulierend. Kein neues Phänomen.  Der Buchbinder Adolf Gerst hatte sich kritisch gegenüber der nationalsozialistischen Politik geäußert, wurde von Kollegen denunziert und in Stuttgart wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Adolf Gerst wurde im Lichthof des Justizgebäudes hingerichtet. Die Anzeige gegen ihn und das Protokoll seiner Hinrichtung werden in der Lesung betrachtet.  Dem gegenüber stehen Gedichte und Texte von Nelly Sachs, Paul Celan und Bert Brecht, deren Sprache anders ist: differenziert, analytisch, auf der Suche nach Wahrheit und mitfühlend. Am Ende wird ein Bericht von Ursula Boger über das Schweigen der Täter nach Kriegsende gelesen. Ihr Großvater, Wilhelm Boger, ehemaliger Gestapobeamter der Württembergischen Gestapo, war im Auschwitzprozess wegen Mordes verurteilt worden.                                           

Eine StolperKunst Produktion.                                                                             

Boris Burgstaller, in Stuttgart geboren, war nach seiner Schauspielausbildung am Theater Münster, am Theater Dortmund, an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und den Städtischen Bühnen Freiburg engagiert. Über seine Theatertätigkeit hinaus war er in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen, u.a. in der Schwarzwaldserie Die Fallers. Seit 1993 gehört Boris Burgstaller zum Ensemble des Schauspiel Stuttgart. Er ist Mitinitiator von StolperKunst.                                                                       
Gabriele Hintermaier war nach ihrer Schauspielausbildung am Theater Münster, am Theater Dortmund, an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und den Städtischen Bühnen Freiburg engagiert. Als Nachwuchsschauspielerin des Jahres wurde sie 1986 in der Zeitschrift Theater Heute nominiert. Seit 1993 ist Gabriele Hintermaier Mitglied im Ensemble des Schauspiel Stuttgart. Sie ist ebenfalls Mitinitiatorin von StolperKunst.                                           

Wilma Heuken singt seit ihrer Kindheit und hat mit neun Jahren angefangen, Akkordeon zu spielen. Das macht sie bis heute solistisch und in verschiedenen Besetzungen, konzertant und zur Untermalung. Musik und Wort sind die zentralen Bestandteile ihrer Bühnenprogramme. Sie komponiert für Akkordeon, vertont Gedichte und schreibt eigene Lieder. Seit 2017 engagiert sich die Musikerin bei StolperKunst. Die in Nordrhein-Westfalen aufgewachsene Diplom-Soziologin lebt heute in ihrer Wahlheimat Stuttgart

Abgesagt werden muss leider die für Sonntag 28. Juni 2020, 15 Uhr im MUSE-O S-Gablenberg geplante Finissage der Ausstellung 

Donnerstag 9.7.2020             Stolpersteinverlegungen in Stuttgart

11 Uhr Beginn der Zeremonie zur Verlegung eines Stolpersteins für Günther Rüdenauer durch den Kölner Künstler Gunter Demnig in der Strombergstr. 20.

Bitte beachten Sie zur Sicherheit aller Anwesenden die geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

Günther Rüdenauer 

18. Februar 1905 Stuttgart-Ost – 30. April 1944 Eichberg/Hessen

 

Als die Eltern von Günther Rüdenauer am 30. Juli 1936 heirateten, verteilte das Stuttgarter Standesamt bereits an alle Hochzeitspaare Hitlers „Mein Kampf“ als Geschenk zur Hochzeit. Der in Stuttgart 1905 geborene Packer Julius Rüdenauer und seine aus Freiburg stammende Frau Irmgard (Jahrgang 1911) wohnten im Erdgeschoss der Strombergstraße 20. 

 

Das Haus befindet sich gegenüber der ehemaligen Strickwarenfabrik Paul Kübler  - mitten im von Industrie und Arbeit geprägten Stuttgarter Osten. Alle sozialdemokratischen und kommunistischen Vereine und Parteien waren verboten, viele Menschen passten sich an. Vermutlich war es ein Schock für das Ehepaar Rüdenauer als bei ihrem Sohn Günther  eine „Hirnleistungsschwäche“ diagnostiziert wurde. Günther wurde katholisch getauft. Wir wissen wenig über sein kurzes Leben in der Strombergstraße. 

 

Statt einer Meldekarte findet sich im städtischen Melderegister nur dieser handschriftliche Zettel, der auf seine Deportation am 27.07.1944 nach Eichberg/Hessen verweist, wo er in die Abteilung 4 der „Kinderfachabteilung“ aufgenommen wurde.Statt Eichberg steht da "Eichelberg / Lutherheim" –  vermutlich wurde dies mündlich falsch überliefert.

 

Unter der Patientennummer 606 diagnostizierten die Ärzte in Eichberg „Hirnleistungsschwäche, Durchfall und Herz- und Kreislaufschwäche“ als Todesursache bei Günther Rüdenauer. 
 

Vermutlich wurde dem Jungen in den zwei Monaten, die er in der „Kinderfachabteilung Eichberg“ war, Luminal verabreicht wurde, ein Schlafmittel, das Durchfall und Herz-/Kreislaufschwäche als Nebenwirkung hat. Fernab von seiner Familie und in den Händen herz- und gewissenloser Ärzte und Pflegerinnen starb Günther Rüdenauer im Alter von nur sechs Jahren. Er wurde am 05.10.1944 auf dem Alten Friedhof Eichberg/Hessen in Feld E, Grabnummer 197 beerdigt. Dass bis 1985 kein Gedenkstein auf dem Alten Friedhof an die Opfer der „Kindereuthanasie“ erinnerte und die nahegelegene Klinik auf dem Eichberg (Vitos-Klinik) ohne Unterbrechung psychisch kranke Menschen behandeln konnte und aktuell einen Neubau auf dem Gelände des Alten Friedhofs plant, zeugt auch nach dem Ende des Nationalsozialismus noch von ungeheurer Unmenschlichkeit gegenüber dem Leid der Opfer. 

 

In Erinnerung an das Ostheimer Kind Günther Rüdenauer, das - ermordet von Ärzten in der NS-Zeit - in tiefster Verlassenheit in Eichberg/Hessen starb, erinnert künftig ein Stolperstein, den Gunter Demnig am 9. Juli 2020 um 12:00 Uhr vor dem Elternhaus in der Strombergstr. 20 verlegt. 

 

Recherche: Gudrun D. Greth, Tessa von Ledebur

In die Vorstellung des NS-Regimes von einer „reinrassig-arischen Volksgemeinschaft“, die die Herrschaft nicht nur über das eigene Volks übernimmt, sondern einen bis dahin beispiellosen Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug startete, der zunächst die politischen Gegner verfolgte und ermordete, passten weder Kranke noch Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen - sie wurden als „unnütz“ dargestellt, systematisch erfasst und ermordet. An ihnen – auch an kranken Kindern - erprobte man die systematische Ermordung von Millionen Menschen. Der NS-Staat verfolgte und ermordete Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Volkszugehörigkeit, ihrer Religion, ihrer Sexualität und selbst aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Unmutsäußerungen. 

 

Hitler hatte bereits 1929 unter Berufung auf darwinistische Wissenschaftler wie Alfred Ploetz auf dem „Reichsparteitag“ in Nürnberg erklärt, dass die „Beseitigung von 700.000 bis 800.000 der Schwächsten von einer Million Neugeborenen jährlich, eine Kräftesteigerung der Nation bedeute und keinesfalls eine Schwächung“ – der Begriff der „Rassehygiene“ sollte der Bevölkerung plausibel machen, dass der NS-Staat Kinder mit Behinderung einem „sanften Tod“ („Euthanasie“) zuführt. 

 

Die Umsetzung der systematischen Ermordung wurde mit Beginn des 2. Weltkrieges als wirtschaftliche Notwendigkeit dargestellt und in grausamer Weise bis Kriegsende umgesetzt. Etwa 5000 Kinder fielen dieser NS-Tötungsaktion zum Opfer. Das Schreiben einzelner Eltern an Hitler mit der Bitte um „Gnadentod“ für ihr schwer behindertes Kind wurde zum Anlass für einen Runderlass des „Reichsministeriums des Inneren“ genommen, der alle Hebammen, Ärzte und Gesundheitsämter verpflichtete, Neugeborene und Kleinkinder zu melden, die als schwach oder behindert anzusehen und damit der Ermordung zu überstellen waren. 

 

Für jede Meldung einer „verdächtigen Kindes“ wurden 2 Reichsmark bezahlt. 

Falls das neugeborene Kind verdächtig ist mit folgenden schweren angeborenen Leiden behaftet zu sein:

1.    Idiotie sowie Mongolismus (besonders Fälle, die mit Blindheit und Taubheit verbunden sind),

2.    Mikrocephalie,

3.    Hydrocephalus, schweren bzw. fortschreitenden Grades,

4.    Mißbildungen jeder Art, besonders Fehlen von Gliedmaßen, schwere Spaltbildungen des Kopfes und der Wirbelsäule usw.,

5.    Lähmungen einschließlich Littlescher Erkrankung

Betroffene Kinder wurden in sogenannte „Kinderfachabteilungen“ eingewiesen, die in Wirklichkeit Tötungszentren in bestehenden Kliniken waren, in denen unter ärztlicher Leitung Kinder z.B. mit Überdosen des von der Pharmafirma Beyer hergestellten Schlafmittels Luminal getötet wurden. 

Teilweise wurden die Kinder unter falschen Versprechungen aus ihren Familien geholt: In der Klinik würden sie geheilt, lernten sie sprechen oder könnte man sie medizinisch besser versorgen als zu Hause... Vielfach versuchten Eltern erfolglos ihre Kinder zurückzuholen. Die meisten der Kinder, die an den „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ gemeldet wurden, wurden nicht in Augenschein genommen von den Ärzten, die mittels eines roten Kreuzes ihr Todesurteil verhängten. 

Die systematische Ermordung der etwa 5000 kranken und behinderten Kinder wurde unglaublich lange verdrängt oder verleugnet. Wesentliche Täter lebten unbehelligt und arbeiteten weiter als Ärzte, genossen ihre Pension, Angehörige strengten Prozesse an gegen Journalisten und Wissenschaftler, die die Geschichte der Krankenmorde und der Zwangssterilisationen in Stuttgart öffentlich machten. 

Dr. Karl Horst Marquart stellt in seinem 2016 erschienenen Buch "Behandlung empfohlen - NS-Medizinverbrechen an Kindern und Jugendlichen in Stuttgart" das Ergebnis seiner Recherchen zur „Kindereuthanasie“ u.a.  anhand der Sterbelisten in Stuttgart dar: Insgesamt wurden 74 Stuttgarter Kinder in „Kinderfachabteilungen“ ermordet: 55 Kinder in Stuttgart (davon 13 aus dem Umland und neun Kinder von Zwangsarbeiterinnen), 39 Stuttgarter Kinder in Eichberg/Hessen und 2 Stuttgarter Kinder in Ansbach. 

Das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" gab zwar der „eugenischen“ Sterilisation und Abtreibung eine gesetzliche Grundlage, nicht aber den Tötungen. Rechtlich gesehen galt daher auch im NS-Staat das Töten von Menschen als Totschlag oder Mord. Daher versuchte man die Tötungen auch geheim zu halten.

 

Nach 1945 stellten Politik, Justiz und Bundestagsmehrheit die Krankenmorde als durch das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" gerechtfertigt dar. Damit wurden die verantwortlichen Ärzte entlastet und die Entschädigungsansprüche der Hinterbliebenen mit der gleichen Argumentation abgewehrt wie die der Zwangssterilisierten. Erst als kaum mehr einer der Tötungsärzte belangt werden konnte und es kaum mehr Hinterbliebene gab, die klagten, rang sich der Bundestag zur "Ächtung" des NS-Gesetzes durch.

Donnerstag 9.7.2020             Stolpersteinverlegungen in Stuttgart

11 Uhr Beginn der Zeremonie zur Verlegung eines Stolpersteins für Günther Rüdenauer durch den Kölner Künstler Gunter Demnig in der Strombergstr. 20.

Bitte beachten Sie zur Sicherheit aller Anwesenden die geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

Günther Rüdenauer 

18. Februar 1905 Stuttgart-Ost – 30. April 1944 Eichberg/Hessen

 

Als die Eltern von Günther Rüdenauer am 30. Juli 1936 heirateten, verteilte das Stuttgarter Standesamt bereits an alle Hochzeitspaare Hitlers „Mein Kampf“ als Geschenk zur Hochzeit. Der in Stuttgart 1905 geborene Packer Julius Rüdenauer und seine aus Freiburg stammende Frau Irmgard (Jahrgang 1911) wohnten im Erdgeschoss der Strombergstraße 20. 

 

Das Haus befindet sich gegenüber der ehemaligen Strickwarenfabrik Paul Kübler  - mitten im von Industrie und Arbeit geprägten Stuttgarter Osten. Alle sozialdemokratischen und kommunistischen Vereine und Parteien waren verboten, viele Menschen passten sich an. Vermutlich war es ein Schock für das Ehepaar Rüdenauer als bei ihrem Sohn Günther  eine „Hirnleistungsschwäche“ diagnostiziert wurde. Günther wurde katholisch getauft. Wir wissen wenig über sein kurzes Leben in der Strombergstraße. 

 

Statt einer Meldekarte findet sich im städtischen Melderegister nur dieser handschriftliche Zettel, der auf seine Deportation am 27.07.1944 nach Eichberg/Hessen verweist, wo er in die Abteilung 4 der „Kinderfachabteilung“ aufgenommen wurde.Statt Eichberg steht da "Eichelberg / Lutherheim" –  vermutlich wurde dies mündlich falsch überliefert.

 

Unter der Patientennummer 606 diagnostizierten die Ärzte in Eichberg „Hirnleistungsschwäche, Durchfall und Herz- und Kreislaufschwäche“ als Todesursache bei Günther Rüdenauer. 
 

Vermutlich wurde dem Jungen in den zwei Monaten, die er in der „Kinderfachabteilung Eichberg“ war, Luminal verabreicht wurde, ein Schlafmittel, das Durchfall und Herz-/Kreislaufschwäche als Nebenwirkung hat. Fernab von seiner Familie und in den Händen herz- und gewissenloser Ärzte und Pflegerinnen starb Günther Rüdenauer im Alter von nur sechs Jahren. Er wurde am 05.10.1944 auf dem Alten Friedhof Eichberg/Hessen in Feld E, Grabnummer 197 beerdigt. Dass bis 1985 kein Gedenkstein auf dem Alten Friedhof an die Opfer der „Kindereuthanasie“ erinnerte und die nahegelegene Klinik auf dem Eichberg (Vitos-Klinik) ohne Unterbrechung psychisch kranke Menschen behandeln konnte und aktuell einen Neubau auf dem Gelände des Alten Friedhofs plant, zeugt auch nach dem Ende des Nationalsozialismus noch von ungeheurer Unmenschlichkeit gegenüber dem Leid der Opfer. 

 

In Erinnerung an das Ostheimer Kind Günther Rüdenauer, das - ermordet von Ärzten in der NS-Zeit - in tiefster Verlassenheit in Eichberg/Hessen starb, erinnert künftig ein Stolperstein, den Gunter Demnig am 9. Juli 2020 um 12:00 Uhr vor dem Elternhaus in der Strombergstr. 20 verlegt. 

 

Recherche: Gudrun D. Greth, Tessa von Ledebur

In die Vorstellung des NS-Regimes von einer „reinrassig-arischen Volksgemeinschaft“, die die Herrschaft nicht nur über das eigene Volks übernimmt, sondern einen bis dahin beispiellosen Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug startete, der zunächst die politischen Gegner verfolgte und ermordete, passten weder Kranke noch Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen - sie wurden als „unnütz“ dargestellt, systematisch erfasst und ermordet. An ihnen – auch an kranken Kindern - erprobte man die systematische Ermordung von Millionen Menschen. Der NS-Staat verfolgte und ermordete Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Volkszugehörigkeit, ihrer Religion, ihrer Sexualität und selbst aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Unmutsäußerungen. 

 

Hitler hatte bereits 1929 unter Berufung auf darwinistische Wissenschaftler wie Alfred Ploetz auf dem „Reichsparteitag“ in Nürnberg erklärt, dass die „Beseitigung von 700.000 bis 800.000 der Schwächsten von einer Million Neugeborenen jährlich, eine Kräftesteigerung der Nation bedeute und keinesfalls eine Schwächung“ – der Begriff der „Rassehygiene“ sollte der Bevölkerung plausibel machen, dass der NS-Staat Kinder mit Behinderung einem „sanften Tod“ („Euthanasie“) zuführt. 

 

Die Umsetzung der systematischen Ermordung wurde mit Beginn des 2. Weltkrieges als wirtschaftliche Notwendigkeit dargestellt und in grausamer Weise bis Kriegsende umgesetzt. Etwa 5000 Kinder fielen dieser NS-Tötungsaktion zum Opfer. Das Schreiben einzelner Eltern an Hitler mit der Bitte um „Gnadentod“ für ihr schwer behindertes Kind wurde zum Anlass für einen Runderlass des „Reichsministeriums des Inneren“ genommen, der alle Hebammen, Ärzte und Gesundheitsämter verpflichtete, Neugeborene und Kleinkinder zu melden, die als schwach oder behindert anzusehen und damit der Ermordung zu überstellen waren. 

 

Für jede Meldung einer „verdächtigen Kindes“ wurden 2 Reichsmark bezahlt. 

Falls das neugeborene Kind verdächtig ist mit folgenden schweren angeborenen Leiden behaftet zu sein:

1.    Idiotie sowie Mongolismus (besonders Fälle, die mit Blindheit und Taubheit verbunden sind),

2.    Mikrocephalie,

3.    Hydrocephalus, schweren bzw. fortschreitenden Grades,

4.    Mißbildungen jeder Art, besonders Fehlen von Gliedmaßen, schwere Spaltbildungen des Kopfes und der Wirbelsäule usw.,

5.    Lähmungen einschließlich Littlescher Erkrankung

Betroffene Kinder wurden in sogenannte „Kinderfachabteilungen“ eingewiesen, die in Wirklichkeit Tötungszentren in bestehenden Kliniken waren, in denen unter ärztlicher Leitung Kinder z.B. mit Überdosen des von der Pharmafirma Beyer hergestellten Schlafmittels Luminal getötet wurden. 

Teilweise wurden die Kinder unter falschen Versprechungen aus ihren Familien geholt: In der Klinik würden sie geheilt, lernten sie sprechen oder könnte man sie medizinisch besser versorgen als zu Hause... Vielfach versuchten Eltern erfolglos ihre Kinder zurückzuholen. Die meisten der Kinder, die an den „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ gemeldet wurden, wurden nicht in Augenschein genommen von den Ärzten, die mittels eines roten Kreuzes ihr Todesurteil verhängten. 

Die systematische Ermordung der etwa 5000 kranken und behinderten Kinder wurde unglaublich lange verdrängt oder verleugnet. Wesentliche Täter lebten unbehelligt und arbeiteten weiter als Ärzte, genossen ihre Pension, Angehörige strengten Prozesse an gegen Journalisten und Wissenschaftler, die die Geschichte der Krankenmorde und der Zwangssterilisationen in Stuttgart öffentlich machten. 

Dr. Karl Horst Marquart stellt in seinem 2016 erschienenen Buch "Behandlung empfohlen - NS-Medizinverbrechen an Kindern und Jugendlichen in Stuttgart" das Ergebnis seiner Recherchen zur „Kindereuthanasie“ u.a.  anhand der Sterbelisten in Stuttgart dar: Insgesamt wurden 74 Stuttgarter Kinder in „Kinderfachabteilungen“ ermordet: 55 Kinder in Stuttgart (davon 13 aus dem Umland und neun Kinder von Zwangsarbeiterinnen), 39 Stuttgarter Kinder in Eichberg/Hessen und 2 Stuttgarter Kinder in Ansbach. 

Das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" gab zwar der „eugenischen“ Sterilisation und Abtreibung eine gesetzliche Grundlage, nicht aber den Tötungen. Rechtlich gesehen galt daher auch im NS-Staat das Töten von Menschen als Totschlag oder Mord. Daher versuchte man die Tötungen auch geheim zu halten.

 

Nach 1945 stellten Politik, Justiz und Bundestagsmehrheit die Krankenmorde als durch das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" gerechtfertigt dar. Damit wurden die verantwortlichen Ärzte entlastet und die Entschädigungsansprüche der Hinterbliebenen mit der gleichen Argumentation abgewehrt wie die der Zwangssterilisierten. Erst als kaum mehr einer der Tötungsärzte belangt werden konnte und es kaum mehr Hinterbliebene gab, die klagten, rang sich der Bundestag zur "Ächtung" des NS-Gesetzes durch.

Sonntag 13.9.2020             Tag des offenen Denkmals 

Die Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost bietet Tag des offenen Denkmals eine Stolpersteinführung am Stöckach. 

Rückblick: Stolpersteinverlegungen am Montag 04. November 2019

für Klara Leucht und Heinrich Ott

Klara Leucht  –   ein Opfer der Krankenmorde an Kindern 

Insgesamt 99 Menschen waren anwesend, als der Stolperstein für Klara Leucht am 4.11.2019 von Gunter Deming verlegt wurde. In der sehr wertschätzenden Zeremonie sprachen Frau Rothenhäußler, Nichte von Klara Leucht. Frau Waltraud Leucht, eine weitere Nichte von Klara Leucht, hatte eine Videobotschaft gesandt. Der Arzt und Geschichtsforscher Dr. med. Karl-Horst Marquart berichtete vom Vorgehen des NS-Staates zu den Krankenmorden, der Medienkünstler Jürgen Czwienk berichtete von seiner Forschung im hessischen Eichberg und seinem akustischen Stolperstein. Zwei Schulklassen der Waldorfschule Uhlandshöhe sangen wunderschön, trugen ein Gedicht von Wolfgang Borchert mit einem Kanon vor und legten Blumen und eine Laterne nieder. Dorothe Kanne-Hettlers Akkordeonspiel schaffte eine nachdenklich-ruhige Stimmung.

Klara Leucht, eine 17-jährige junge Frau, ist ein zweites Opfer aus dem Stuttgarter Osten, das in der Landesheilanstalt Eichberg bei Eltville in Hessen ermordet wurde. Klara, am 17. September 1924 in Stuttgart geboren, war geistig und körperlich behindert. Sie bedurfte intensiver Pflege. Laut Schilderung einer Angehörigen ließ das Stuttgarter Gesundheitsamt Klara ohne Vorankündigung mitten aus einem Essen im Familienkreis abholen. „Zugeführt“ wurde sie der „Kinderfachabteilung“ der Landesheilanstalt am 15. September 1941. Dort ist sie bereits am 27. September verstorben. Als Todesursache nannte man den Eltern eine „Lungenentzündung“. Beerdigt wurde Klara auf dem Friedhof der Landesheilanstalt.

Die Mutter von Klara schrieb am 17. September einen Brief an die Eichberger Krankenschwestern, in dem sie ihr „Heimweh nach dem Klärchen“ zum Ausdruck brachte und darum bat, „von sich hören zu lassen“. Während der Naziherrschaft  gab es einen „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“. Ihm mussten schwer behinderte Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren gemeldet werden. Für diese Meldungen zuständig waren u. a. Heime, Ärzte, Hebammen. Der „Reichsausschuss“ entschied, in welche Heilanstalt mit „Kinderfachabteilung“ die Kinder zur weiteren „Pflege“ (Tötung) einzuweisen waren. Auf Grund ihres Alters hätte Klara Leucht dem Ausschuss nicht gemeldet werden müssen. Erst 1942 wurde das Meldealter auf 16 Jahre heraufgesetzt.  In dem Buch „Behandlung empfohlen“ ist das Schicksal von Klara Leucht ausführlich beschrieben. Die Familie Leucht wohnte in der Sickstraße 8. Das Haus befand sich in dem 1953 für das TWS-Gelände aufgelassenen Teil der Sickstraße (bis zur Werderstraße). Die ersten Häuser der Sickstraße wurden der Heinrich-Baumann-Straße zugeordnet.
Der Stolperstein für Klara Leucht wurde am 4.11.2019 um 11.50 Uhr in der Heinrich-Baumann-Straße, gegenüber Haus 25 B, am Spielplatz, verlegt. Das ehemalige Wohnhaus der Familie existiert nicht mehr, es befand sich auf dem jetzigen ENBW-Gelände.

Recherche: Waltraud Leucht, Elke Martin, Jürgen Czwienk, Gudrun D. Greth
Moderation: Gudrun D. Greth und Walter Geisse

Heinrich Ott  –  ein politisches Opfer

Heinrich Ott  wurde am 17. September 1888 in Mohrenhausen, Kreis Babenhausen, geboren. Er war verheiratet und hatte ein Kind. Beschäftigt war Heinrich Ott  „beim Daimler“. Bereits 1933 kam er wegen Flugblattverteilens gegen die Nazis in Schutzhaft  in das „Schutzlager Heuberg“, ein im März 1933 vom württembergischen Innenministerium eingerichtetes Konzentrationslager bei Stetten am kalten Markt. In diesem Lager wurden bereits im April 1933 politische Gegner aus Württemberg, Hohenzollern und Hessen inhaftiert. Bis August 1933 waren es fast 3.400 Männer. Das Lager wurde zum Jahresende 1933 aufgelöst und durch das auf dem Oberen Kuhberg in Ulm ersetzt.  Nach seiner Freilassung arbeitete Heinrich Ott bei der Firma Daimler in Untertürkheim. Dort wurde er 1942 von Betriebsangehörigen bei der Gestapo angezeigt, da er über Stalingrad sagte, dass der Krieg verloren sei und jeder Arbeiter mithelfen solle, den Krieg zu verkürzen. Zunächst konnte erreicht werden, dass die Anzeige zurückgestellt wurde, doch etwa ein halbes Jahr später griff ein neuer Sachbearbeiter den Vorgang wieder auf und lud am 25. Juni 1942 Ott  zur Vernehmung zur Gestapo um 8 Uhr morgens. Gegen Mittag des gleichen Tages wurde Frau Ott  von dem Tod ihres Mannes im Polizeigefängnis Stuttgart durch die Polizei benachrichtigt. Wie die Vernehmung Heinrich Otts zwischen 8 und 12 Uhr vor sich gegangen ist und was sich dabei alles ereignete, ist völlig unbekannt und liegt heute noch im Dunkeln. Frau Ott berichtete, dass das Gesicht der Leiche ihres Mannes hochrot und die Lippen ganz blau waren. Als Todesursache wurde ihr mitgeteilt, dass Ott an einem Herzschlag verstorben war. Nach Auskunft des Stuttgarter Mediziners Dr. Karl-Horst Marquart sind dies keine Anzeichen für einen Herzschlag, sondern eher für Aufhängen oder Erdrosseln. Nach Kriegsende hat seine Frau einen Antrag auf Wiedergutmachung gestellt, Zu diesem Antrag hat die Wiedergutmachungsbehörde Zeugenaussagen angefordert. Daraus ergibt sich das Bild, dass Heinrich Ott sich aktiv als Antifaschist in der SPD wie in der KPD betätigte und Familien von Verfolgten des Naziregimes unterstützte. Von seiner Aufgabe der Verbreitung der von Auslandssendern abgehörten Kriegsberichten, wird berichtet. 
Der Stolperstein für Heinrich Ott  wurde am 4.11.2019 um 11:30 Uhr in der Wagenburgstraße 142 verlegt. Recherche: Elke Martin. Moderation: Christian Michaelis. 

Vielen Dank für Ihre Stimme bei der Abstimmung zum Publikumspreis beim Deutschen Engagementpreis 2019, für den wir nominiert als Preisträger des Stuttgarter Bürgerpreises nominiert waren.  Wir haben Platz 82 erreicht.  

Im Januar 2019 hatte die Initiative Stolpersteine Stuttgart den Stuttgarter Bürgerpreis gewonnen.


Rückblick: Stolpersteinverlegungen in Stuttgart am 1. April 2019

Eugen Prötzel
7.7.1915     - 17.2.1940
Stuttgart - Mauthausen
Hornbergstr. 91

Eugen, Sohn von Hermann und Karoline Prötzel wohnte mit seinen Eltern und Geschwistern zunächst in Bad Cannstatt. Nachdem Tod des Vaters 1921 zog die verwitwete Mutter mit den Kindern nach Gaisburg in die Hauptstraße, die seit 1935 Hornbergstraße heißt.
Eugen Prötzel lernte 1930-34 bei Firma J. Albrecht in Bad Cannstatt den Beruf des Mechanikers. In der Gewerbeschule wurde er zwei Mal aufgrund seiner guten Leistungen ausgezeichnet.  Er pflegte Freundschaft mit kommunistisch eingestellten Arbeitskollegen, trat jedoch nicht der KPD bei. Am 23.6.1933 stand er mit einem weiteren jungen Kollegen Schmiere, als ältere Kollegen Parolen gegen die Nazis an Wände, u.a. am Zaun des Gaskessels, schrieben. Eine Woche später wurde er verhaftet. Das Amtsgericht Stuttgart verurteilte Eugen Prötzel am 22.8.1933 zu vier Wochen Haft auch wegen "Zusammenfaltens von 150 kommunistischen Flugblättern". Er geriet ins Visier der politischen Polizei (später Gestapo), die ihm aber keine Teilnahme an Aktivitäten der KPD nachweisen konnte. 1937 beendete er sein letztes Stuttgarter Arbeitsverhältnis, überschritt am 10.7.1937 ohne Pass die holländische Grenze und hielt sich ein Jahr lang in Holland und Belgien auf. Im Oktober 1938 wurde er festgenommen und er deutschen Grenzpolizei übergeben. Ein Schöffengericht in Krefeld verurteilte ihn wegen des Passvergehens zu 6 Wochen Haft, er wurde ins Gestapo-Gefängnis nach Welzheim überstellt. am 8.3.1939 kam er ins KZ Dachau und von dort am 27.9.1939 ins KZ Mauthausen, wo er am 17.2.1940 im Alter von 24 Jahren ermordet wurde. In einem von seiner Mutter nach Kriegsende beantragten Entschädigungsverfahren wurde Eugen Prötzel als politisch Verfolgter anerkannt. Sein Grab befand sich auf dem Gaisburger Friedhof.
 
Ansprachen:
Sigrid Brüggemann, Historikerin und Autorin
Ilse Kestin, IG Metall und VVN/BdA 
Musik:  Uta Germer-Hörsch
Verlegung:    Gunter Demnig, Künstler Moderation:  Walter Geisse, Gudrun Greth, Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost

Die beiden Stolpersteinverlegungen in S-Ost fanden unter Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger statt. 

Besonders anrührend war die   Begegnung mit einer Besucherin der Stolpersteinverlegung, die erst einen Tag vor der Verlegung erfahren hatte, dass Eugen Prötzel der Bruder ihres Großvaters war.

Die Historikerin Sigrid Brüggemann, beleuchtete das kurze Leben von Eugen Brüggemann, berichtete aus ihrer Forschungsarbeit und drückte ihre Freude aus, dass nun ein Stolperstein an seinem letzten Wohnort an Eugen Prötzel erinnert.

Für die IG Metall, die den Stolperstein für den Metallfach-arbeiter Eugen Prötzel gespendet hat, sprach Ilse Kestin. 
Die Gedanken führten zu dem - heute wie damals so wichtigen -Zusammenhalt der Kolleginnen und Kollegen, der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in der Ausbildung und bei der Arbeit, zu dem ebenfalls heute so notwendigen, klaren Bekenntnis zu einer gerechten, menschlichen Welt, zu Solidarität und einem Bewusstsein, für die Rechte und Belange der arbeitenden Menschen gemeinsam einzustehen und Unrecht nicht einfach geschehen zu lassen.

Die Anwesenden wünschten sich, dass auch die nachfolgenden Generationen durch die Lebensgeschichten von Eugen Prötzel und Karl Dentler für ihre Zukunft lernen können. 

Schulklassen u.a. Gruppen sind gerne eingeladen, sich für eine Stolpersteinführung oder eine Unterrichtseinheit anzumelden (beides kostenlos).
 


Karl Denzler
10.2.1906 - 27.12.1944
Stuttgart - Buchenwald
Wasserbergweg 8

Karl Dentler heiratete 1932 Maria Sackmann (geb. 15.8.1904).
Karl Dentler war u.a. bei dem Fellbacher Installateur Wilhelm Stoll und zuletzt bei Wilhelm Hilzinger in Stuttgart-Süd beschäftigt. Vom 18.3. bi 24.5. 1935 war er arbeitslos. Ende Mai 1935 wurde er wegen "Vorbereitung eines hoch-verräterischen Unternehmens" verhaftet und saß vom 8.2.1937 bis 15.4.1937 im Landesgefängnis Ludwigsburg ein. Von dort aus kam er in das berüchtigte Straflager II, Aschendorf-Moor, einem von 15 Konzentrationslagern im Emsland. Anschließend wurde er zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 27.12.1944 wurde Karl Dentler im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

Recherche: Elke Martin 
Verlegung:  Gunter Demnig
Musik:  Dorothe Kanne-Hettler
Ansprachen  und Moderation:  
Elke Martin, Gerhard Götze, Initiative Stolpersteine S-Ost