Termine

So 08.09.2019 Tag des offenen Denkmals:  14:30 Uhr Stolpersteinführung am Stöckach
anschließend Gespräch bei Kaffee und Tee im 
Stöckachtreff29, Metzstr. 26

An ausgewählten Biografien wird an die Menschen erinnert, die der gnadenlosen Verfolgung durch das Nazi-Regime zum Opfer fielen. Schlussfolgerungen für die Gegenwart werden angesprochen. Abschluss ist im Stadtteil- und Familienzentrum Stöckach, wo man sich bei Getränken und Kleingebäck über das zuvor Gehörte und Erlebte noch einmal austauschen kann. Mitglieder der Initiative beantworten gerne Fragen.


Nächste Stolpersteinverlegung: Mo 04.11.2019 Ab 11:15 Uhr Zeremonie für Heinrich Ott in der Wagenburgstr. 142 und um 11:30 Uhr für
Klara Leucht in der Sickstr. 8. Der Künstler Gunter Demnig, der ca. 15 Minuten nach Beginn der Zeremonie an den Verlegeort kommt und den von ihm gestalteten  Stolperstein verlegt, begibt sich anschließend zur nächsten Stolpersteinverlegung, die Zeremonie wird von Mitglieder der Initiative und Unterstützenden durchgeführt. Interessierte sind herzlich willkommen, die aktive Beteiligung von Schulklassen ist erwünscht.

Rückblick auf die Stolpersteinverlegungen am 1.4.2019 siehe unten

In Kürze hier mehr zu den Jubiläums-veranstaltungen 20 Jahre Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost


Stolpersteinverlegungen in Stuttgart am 1. April 2019

Eugen Prötzel
7.7.1915     - 17.2.1940
Stuttgart - Mauthausen
Hornbergstr. 91

Eugen, Sohn von Hermann und Karoline Prötzel wohnte mit seinen Eltern und Geschwistern zunächst in Bad Cannstatt. Nachdem Tod des Vaters 1921 zog die verwitwete Mutter mit den Kindern nach Gaisburg in die Hauptstraße, die seit 1935 Hornbergstraße heißt.
Eugen Prötzel lernte 1930-34 bei Firma J. Albrecht in Bad Cannstatt den Beruf des Mechanikers. In der Gewerbeschule wurde er zwei Mal aufgrund seiner guten Leistungen ausgezeichnet.  Er pflegte Freundschaft mit kommunistisch eingestellten Arbeitskollegen, trat jedoch nicht der KPD bei. Am 23.6.1933 stand er mit einem weiteren jungen Kollegen Schmiere, als ältere Kollegen Parolen gegen die Nazis an Wände, u.a. am Zaun des Gaskessels, schrieben. Eine Woche später wurde er verhaftet. Das Amtsgericht Stuttgart verurteilte Eugen Prötzel am 22.8.1933 zu vier Wochen Haft auch wegen "Zusammenfaltens von 150 kommunistischen Flugblättern". Er geriet ins Visier der politischen Polizei (später Gestapo), die ihm aber keine Teilnahme an Aktivitäten der KPD nachweisen konnte. 1937 beendete er sein letztes Stuttgarter Arbeitsverhältnis, überschritt am 10.7.1937 ohne Pass die holländische Grenze und hielt sich ein Jahr lang in Holland und Belgien auf. Im Oktober 1938 wurde er festgenommen und er deutschen Grenzpolizei übergeben. Ein Schöffengericht in Krefeld verurteilte ihn wegen des Passvergehens zu 6 Wochen Haft, er wurde ins Gestapo-Gefängnis nach Welzheim überstellt. am 8.3.1939 kam er ins KZ Dachau und von dort am 27.9.1939 ins KZ Mauthausen, wo er am 17.2.1940 im Alter von 24 Jahren ermordet wurde. In einem von seiner Mutter nach Kriegsende beantragten Entschädigungsverfahren wurde Eugen Prötzel als politisch Verfolgter anerkannt. Sein Grab befand sich auf dem Gaisburger Friedhof.
 
Ansprachen:
Sigrid Brüggemann, Historikerin und Autorin
Ilse Kestin, IG Metall und VVN/BdA 
Musik:  Uta Germer-Hörsch
Verlegung:    Gunter Demnig, Künstler Moderation:  Walter Geisse, Gudrun Greth, Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost

Die beiden Stolpersteinverlegungen in S-Ost fanden unter Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger statt. 

Besonders anrührend war die   Begegnung mit einer Besucherin der Stolpersteinverlegung, die erst einen Tag vor der Verlegung erfahren hatte, dass Eugen Prötzel der Bruder ihres Großvaters war.

Die Historikerin Sigrid Brüggemann, beleuchtete das kurze Leben von Eugen Brüggemann, berichtete aus ihrer Forschungsarbeit und drückte ihre Freude aus, dass nun ein Stolperstein an seinem letzten Wohnort an Eugen Prötzel erinnert.

Für die IG Metall, die den Stolperstein für den Metallfach-arbeiter Eugen Prötzel gespendet hat, sprach Ilse Kestin. 
Die Gedanken führten zu dem - heute wie damals so wichtigen -Zusammenhalt der Kolleginnen und Kollegen, der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in der Ausbildung und bei der Arbeit, zu dem ebenfalls heute so notwendigen, klaren Bekenntnis zu einer gerechten, menschlichen Welt, zu Solidarität und einem Bewusstsein, für die Rechte und Belange der arbeitenden Menschen gemeinsam einzustehen und Unrecht nicht einfach geschehen zu lassen.

Die Anwesenden wünschten sich, dass auch die nachfolgenden Generationen durch die Lebensgeschichten von Eugen Prötzel und Karl Dentler für ihre Zukunft lernen können. 

Schulklassen u.a. Gruppen sind gerne eingeladen, sich für eine Stolpersteinführung oder eine Unterrichtseinheit anzumelden (beides kostenlos).
 


Karl Denzler
10.2.1906 - 27.12.1944
Stuttgart - Buchenwald
Wasserbergweg 8

Karl Dentler heiratete 1932 Maria Sackmann (geb. 15.8.1904).
Karl Dentler war u.a. bei dem Fellbacher Installateur Wilhelm Stoll und zuletzt bei Wilhelm Hilzinger in Stuttgart-Süd beschäftigt. Vom 18.3. bi 24.5. 1935 war er arbeitslos. Ende Mai 1935 wurde er wegen "Vorbereitung eines hoch-verräterischen Unternehmens" verhaftet und saß vom 8.2.1937 bis 15.4.1937 im Landesgefängnis Ludwigsburg ein. Von dort aus kam er in das berüchtigte Straflager II, Aschendorf-Moor, einem von 15 Konzentrationslagern im Emsland. Anschließend wurde er zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 27.12.1944 wurde Karl Dentler im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

Recherche: Elke Martin 
Verlegung:  Gunter Demnig
Musik:  Dorothe Kanne-Hettler
Ansprachen  und Moderation:  
Elke Martin, Gerhard Götze, Initiative Stolpersteine S-Ost