Termine

Chance auf Deutschen Engagementpreis: 12.09.-24.10.2019 für  die Initiative Stolpersteine Stuttgart online abstimmen!

Montag 4. November 2019:
Nächste Stolpersteinverlegungen
11:30 Uhr Heinrich Ott, Wagenburgstr. 142
11:50 Uhr Klara Leucht, Heinr-Baumann-Str. 25B
Bitte beachten: Die Zeremonien beginnen jeweils ca. 20 Minuten vor der Verlegung.

Rückblick auf die Stolpersteinverlegungen
vom 1. April 2019 siehe unten

In Kürze hier mehr zu den Jubiläums-Veranstaltungen
"20 Jahre Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost"


Stolpersteinverlegungen am Montag 04. November 2019

für Klara Leucht und Heinrich Ott

Klara Leucht  –   ein Opfer der Krankenmorde an Kindern 

Klara Leucht, eine 17-jährige junge Frau, ist ein zweites Opfer aus dem Stuttgarter Osten, das in der Landesheilanstalt Eichberg bei Eltville in Hessen ermordet wurde. Klara, am 17. September 1924 in Stuttgart geboren, war geistig und körperlich behindert. Sie bedurfte intensiver Pflege. Laut Schilderung einer Angehörigen ließ das Stuttgarter Gesundheitsamt Klara ohne Vorankündigung mitten aus einem Essen im Familienkreis abholen. „Zugeführt“ wurde sie der „Kinderfachabteilung“ der Landesheilanstalt am 15. September 1941. Dort ist sie bereits am 27. September verstorben. Als Todesursache nannte man den Eltern eine „Lungenentzündung“. Beerdigt wurde Klara auf dem Friedhof der Landesheilanstalt.

Die Mutter von Klara schrieb am 17. September einen Brief an die Eichberger Krankenschwestern, in dem sie ihr „Heimweh nach dem Klärchen“ zum Ausdruck brachte und darum bat, „von sich hören zu lassen“. Während der Naziherrschaft  gab es einen „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“. Ihm mussten schwer behinderte Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren gemeldet werden. Für diese Meldungen zuständig waren u. a. Heime, Ärzte, Hebammen. Der „Reichsausschuss“ entschied, in welche Heilanstalt mit „Kinderfachabteilung“ die Kinder zur weiteren „Pflege“ (Tötung) einzuweisen waren. Auf Grund ihres Alters hätte Klara Leucht dem Ausschuss nicht gemeldet werden müssen. Erst 1942 wurde das Meldealter auf 16 Jahre heraufgesetzt.  In dem Buch „Behandlung empfohlen“ ist das Schicksal von Klara Leucht ausführlich beschrieben. Die Familie Leucht wohnte in der Sickstraße 8. Das Haus befand sich in dem 1953 für das TWS-Gelände aufgelassenen Teil der Sickstraße (bis zur Werderstraße). Die ersten Häuser der Sickstraße wurden der Heinrich-Baumann-Straße zugeordnet. Der Stolperstein für Klara Leucht wird um 11.50 Uhr in der Heinrich-Baumann-Straße, gegenüber Haus 25 B, am Spielplatz, verlegt. Die Zeremonie beginnt um 11.30 Uhr.

Bei der Verlegung werden u.a. eine Nichte von Klara Leucht, der Medienkünstler Jürgen Czwienk, der einen akustischen Stolperstein für Klara Leucht gefertigt hat und Dr. med. Karl-Horst Marquart von der AG "Euthanasie" sprechen. Moderation: Gudrun D. Greth und Walter Geisse

Heinrich Ott  –  ein politisches Opfer

Heinrich Ott  wurde am 17. September 1888 in Mohrenhausen, Kreis Babenhausen, geboren. Er war verheiratet und hatte ein Kind. Beschäftigt war Heinrich Ott  „beim Daimler“. Bereits 1933 kam er wegen Flugblattverteilens gegen die Nazis in Schutzhaft  in das „Schutzlager Heuberg“, ein im März 1933 vom württembergischen Innenministerium eingerichtetes Konzentrationslager bei Stetten am kalten Markt. In diesem Lager wurden bereits im April 1933 politische Gegner aus Württemberg, Hohenzollern und Hessen inhaftiert. Bis August 1933 waren es fast 3.400 Männer. Das Lager wurde zum Jahresende 1933 aufgelöst und durch das auf dem Oberen Kuhberg in Ulm ersetzt.  Nach seiner Freilassung arbeitete Heinrich Ott bei der Firma Daimler in Untertürkheim. Dort wurde er 1942 von Betriebsangehörigen bei der Gestapo angezeigt, da er über Stalingrad sagte, dass der Krieg verloren sei und jeder Arbeiter mithelfen solle, den Krieg zu verkürzen. Zunächst konnte erreicht werden, dass die Anzeige zurückgestellt wurde, doch  etwa ein halbes Jahr später griff ein neuer Sachbearbeiter den Vorgang wieder auf und lud am 25. Juni 1942 Ott  zur Vernehmung zur Gestapo um 8 Uhr morgens. Gegen Mittag des gleichen Tages wurde Frau Ott  von dem Tod ihres Mannes im Polizeigefängnis Stuttgart durch die Polizei benachrichtigt. Wie die Vernehmung Heinrich Otts zwischen 8 und 12 Uhr vor sich gegangen ist und was sich dabei alles ereignete, ist völlig unbekannt und liegt heute noch im Dunkeln. Frau Ott berichtete, dass das Gesicht der Leiche ihres Mannes hochrot und die Lippen ganz blau waren. Als Todesursache wurde ihr mitgeteilt, dass Ott an einem Herzschlag verstorben war. Nach Auskunft des Stuttgarter Mediziners Dr. Karl-Horst Marquart sind dies keine Anzeichen für einen Herzschlag, sondern eher für Aufhängen oder Erdrosseln. Nach Kriegsende hat seine Frau einen Antrag auf Wiedergutmachung gestellt, Zu diesem Antrag hat die Wiedergutmachungsbehörde Zeugenaussagen angefordert. Daraus ergibt sich das Bild, dass Heinrich Ott sich aktiv als Antifaschist in der SPD wie in der KPD betätigte und Familien von Verfolgten des Naziregimes unterstützte. Von seiner Aufgabe der Verbreitung der von Auslandssendern abgehörten Kriegsberichten, wird berichtet. Der Stolperstein für Heinrich Ott  wird um 11:30 Uhr in der Wagenburgstraße 142 verlegt.
Moderation: Gerhard Götze, Christian Michaelis. 

Chance auf Deutschen Engagementpreis 2019: 
Jetzt für Initiative Stolpersteine Stuttgart abstimmen!

 

Online-Abstimmung über Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises / Initiative Stolpersteine Stuttgart nominiert / Chance auf bis zu 10.000 Euro Preisgeld 

 

Stuttgart, 08.09.2019
Die Initiative Stolpersteine Stuttgart ist im Rennen um den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises 2019. Vom 12. September bis 24. Oktober kann unter www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis für die Initiative Stolpersteine Stuttgart abgestimmt werden. Für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen wurde die Initiative Stolpersteine Stuttgart von der Bürgerstiftung Stuttgart. Im Januar 2019 hatte die Initiative Stolpersteine Stuttgart den Stuttgarter Bürgerpreis gewonnen.

 

Initiative Stolpersteine Stuttgart – nachhaltiges Erinnern für die Zukunft

Nachhaltiges Erinnern als Zukunftsaufgabe durch professionelle Laienforschung und Erinnerungsarbeit: 14 Stadtteilinitiativen in Stuttgart pflegen seit 20 Jahren ehrenamtlich, unabhängig und in guter Zusammenarbeit eine sorgsam erarbeitete Erinnerungskultur, die als Mahnung für die Zukunft im Lebensraum wirkt und beiträgt zur politischen Bildung vor allem junger Menschen, die kaum mehr die Möglichkeit haben, Zeitzeugen persönlich zu hören. Archivrecherche, Zeitzeugen- und Angehörigenkontakte, Veranstaltungen, Ausstellungen, Stadteilführungen, Schulprojekte und Stolperstein-Verlegungen ermöglichen, mehr von der Geschichte des eigenen Wohnorts zu erfahren, in dem denjenigen Stuttgarterinnen und Stuttgartern, die zwischen 1933 und 1945 aus dem Stadtteil deportiert und ermordet wurden, durch Erforschung ihres Namens und ihrer Geschichte gedacht und durch die Verlegung persönlicher Gedenksteine (bisher rund 900) im öffentlichen Raum einen Teil der Würde wiedergegeben wird, die ihnen genommen wurde. Weitere Informationen unter: www.stolpersteine-stuttgart.de und www.stolpersteine-stuttgart-ost.de

 

Chance auf bis zu 10.000 Euro Preisgeld

Der Publikumspreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die ersten 50 Erstplatzierten der Abstimmung gewinnen außerdem die Teilnahme an einem gemeinsamen Weiterbildungsseminar zu Öffentlichkeitsarbeit und gutem Projektmanagement in Berlin. Im Falle eines Gewinns würde die Initiative Stolpersteine Stuttgart das Preisgeld für die Forschungsarbeit der Initiative Stolpersteine Stuttgart und die weitere Verlegung von Stolpersteinen für Menschen aus Stuttgart verwenden, die 1933-1945 verfolgt, verschleppt und ermordet wurden.  

Danke für Ihre Onlineabstimmung für die Initiative Stolpersteine Stuttgart!

 

Bundesweit renommierte Auszeichnung

Der Einsatz für Demokratie und Partizipation erfährt durch die Nominierung eine weitere hochrangige Anerkennung. Für den Dachpreis Deutscher Engagementpreis können ausschließlich die Preisträgerinnen und Preisträger anderer Preise, die freiwilliges Engagement in Deutschland auszeichnen, nominiert werden. In diesem Jahr wurden die bundesweit 617 Nominierten von 210 Ausrichtern von Preisen für bürgerschaftliches Engagement vorgeschlagen. Neben dem Votum der Bürgerinnen und Bürger über den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis entscheidet eine hochkarätige Fachjury über die Preisträgerinnen und Preisträger in den mit 5.000 Euro dotierten fünf Kategorien „Chancen schaffen“, „Leben bewahren“, „Generationen verbinden“, „Grenzen überwinden“ und „Demokratie stärken“. Bekannt gegeben werden die Gewinnerinnen und Gewinner aller sechs Preise bei einer festlichen Preisverleihung am 5. Dezember in Berlin.

 

Hintergrund: Der Deutsche Engagementpreis 

Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Er würdigt das freiwillige Engagement von Menschen in unserem Land und all jene, die dieses Engagement durch die Verleihung von Preisen unterstützen. Ziel ist es, die Anerkennungskultur in Deutschland zu stärken und mehr Menschen für freiwilliges Engagement zu begeistern. 

Initiator und Träger des seit 2009 vergebenen Deutschen Engagementpreises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von großen Verbänden der Zivilgesellschaft in Deutschland. Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Deutsche Fernsehlotterie und die Deutsche Bahn Stiftung.

Weitere Informationen:

·       Stimmen Sie hier online ab:
https://www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis

Hier sind ab 12. September alle Nominierten aufgelistet und Sie können im Suchfeld 

die Initiative Stolpersteine Stuttgart eingeben, um für uns abzustimmen.

·       Bildmaterial und Logos des Deutschen Engagementpreises finden Sie unter
https://www.deutscher-engagementpreis.de/presse/mediathek

Stolpersteinverlegungen in Stuttgart am 1. April 2019

Eugen Prötzel
7.7.1915     - 17.2.1940
Stuttgart - Mauthausen
Hornbergstr. 91

Eugen, Sohn von Hermann und Karoline Prötzel wohnte mit seinen Eltern und Geschwistern zunächst in Bad Cannstatt. Nachdem Tod des Vaters 1921 zog die verwitwete Mutter mit den Kindern nach Gaisburg in die Hauptstraße, die seit 1935 Hornbergstraße heißt.
Eugen Prötzel lernte 1930-34 bei Firma J. Albrecht in Bad Cannstatt den Beruf des Mechanikers. In der Gewerbeschule wurde er zwei Mal aufgrund seiner guten Leistungen ausgezeichnet.  Er pflegte Freundschaft mit kommunistisch eingestellten Arbeitskollegen, trat jedoch nicht der KPD bei. Am 23.6.1933 stand er mit einem weiteren jungen Kollegen Schmiere, als ältere Kollegen Parolen gegen die Nazis an Wände, u.a. am Zaun des Gaskessels, schrieben. Eine Woche später wurde er verhaftet. Das Amtsgericht Stuttgart verurteilte Eugen Prötzel am 22.8.1933 zu vier Wochen Haft auch wegen "Zusammenfaltens von 150 kommunistischen Flugblättern". Er geriet ins Visier der politischen Polizei (später Gestapo), die ihm aber keine Teilnahme an Aktivitäten der KPD nachweisen konnte. 1937 beendete er sein letztes Stuttgarter Arbeitsverhältnis, überschritt am 10.7.1937 ohne Pass die holländische Grenze und hielt sich ein Jahr lang in Holland und Belgien auf. Im Oktober 1938 wurde er festgenommen und er deutschen Grenzpolizei übergeben. Ein Schöffengericht in Krefeld verurteilte ihn wegen des Passvergehens zu 6 Wochen Haft, er wurde ins Gestapo-Gefängnis nach Welzheim überstellt. am 8.3.1939 kam er ins KZ Dachau und von dort am 27.9.1939 ins KZ Mauthausen, wo er am 17.2.1940 im Alter von 24 Jahren ermordet wurde. In einem von seiner Mutter nach Kriegsende beantragten Entschädigungsverfahren wurde Eugen Prötzel als politisch Verfolgter anerkannt. Sein Grab befand sich auf dem Gaisburger Friedhof.
 
Ansprachen:
Sigrid Brüggemann, Historikerin und Autorin
Ilse Kestin, IG Metall und VVN/BdA 
Musik:  Uta Germer-Hörsch
Verlegung:    Gunter Demnig, Künstler Moderation:  Walter Geisse, Gudrun Greth, Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost

Die beiden Stolpersteinverlegungen in S-Ost fanden unter Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger statt. 

Besonders anrührend war die   Begegnung mit einer Besucherin der Stolpersteinverlegung, die erst einen Tag vor der Verlegung erfahren hatte, dass Eugen Prötzel der Bruder ihres Großvaters war.

Die Historikerin Sigrid Brüggemann, beleuchtete das kurze Leben von Eugen Brüggemann, berichtete aus ihrer Forschungsarbeit und drückte ihre Freude aus, dass nun ein Stolperstein an seinem letzten Wohnort an Eugen Prötzel erinnert.

Für die IG Metall, die den Stolperstein für den Metallfach-arbeiter Eugen Prötzel gespendet hat, sprach Ilse Kestin. 
Die Gedanken führten zu dem - heute wie damals so wichtigen -Zusammenhalt der Kolleginnen und Kollegen, der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in der Ausbildung und bei der Arbeit, zu dem ebenfalls heute so notwendigen, klaren Bekenntnis zu einer gerechten, menschlichen Welt, zu Solidarität und einem Bewusstsein, für die Rechte und Belange der arbeitenden Menschen gemeinsam einzustehen und Unrecht nicht einfach geschehen zu lassen.

Die Anwesenden wünschten sich, dass auch die nachfolgenden Generationen durch die Lebensgeschichten von Eugen Prötzel und Karl Dentler für ihre Zukunft lernen können. 

Schulklassen u.a. Gruppen sind gerne eingeladen, sich für eine Stolpersteinführung oder eine Unterrichtseinheit anzumelden (beides kostenlos).
 


Karl Denzler
10.2.1906 - 27.12.1944
Stuttgart - Buchenwald
Wasserbergweg 8

Karl Dentler heiratete 1932 Maria Sackmann (geb. 15.8.1904).
Karl Dentler war u.a. bei dem Fellbacher Installateur Wilhelm Stoll und zuletzt bei Wilhelm Hilzinger in Stuttgart-Süd beschäftigt. Vom 18.3. bi 24.5. 1935 war er arbeitslos. Ende Mai 1935 wurde er wegen "Vorbereitung eines hoch-verräterischen Unternehmens" verhaftet und saß vom 8.2.1937 bis 15.4.1937 im Landesgefängnis Ludwigsburg ein. Von dort aus kam er in das berüchtigte Straflager II, Aschendorf-Moor, einem von 15 Konzentrationslagern im Emsland. Anschließend wurde er zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 27.12.1944 wurde Karl Dentler im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

Recherche: Elke Martin 
Verlegung:  Gunter Demnig
Musik:  Dorothe Kanne-Hettler
Ansprachen  und Moderation:  
Elke Martin, Gerhard Götze, Initiative Stolpersteine S-Ost