Wie es begann und sich entwickelt

Bürgerinnen und Bürger im Stuttgarter Osten halten seit vielen Jahren das Gedenken an die von 1933 – 1945 verfolgten vertriebenen und ermordeten ehemaligen Nachbarn durch Veranstaltungen, Ausstellungen und Führungen im Stadtteil aufrecht. 

1988 Die „Stuttgarter Osten Lokalzeitung“ (STO Ausgabe 6) veröffentlicht lange Interviews mit den Stuttgarter Jüdinnen Jenny Heymann, Lore Webster, geb. Landauer und Eve Bell, geb. Landauer. Der Ostheimer Überlebende und Widerstandskämpfer Hans Gasparitsch schreibt in der „Stuttgarter Osten Lokalzeitung“ .

9.11.1988 die „Stuttgarter Osten Lokalzeitung“ veröffentlicht in ihrer neunten Ausgabe zum 50. Jahrestag der Progromnacht die Frage nach dem Gedächtnis des Stadtteils auf und sucht Zeitzeugen. 

1992 in dem Buch „Der jüdische Frisör“, Silberburg-Verlag, werden Einzelschicksale veröffentlicht. Das Buch erfährt große Resonanz in Stuttgart und bei Angehörigen im Ausland.


9.11.1998 - unabhängig vom Kölner Künstler Gunter Deming – entsteht im Stuttgarter Osten am 60. Jahrestag der Progromnacht der Name Initiative Stolperstein Stuttgart-Ost aus dem Wunsch heraus, eine aktive Erinnerungskultur auch mit Blick auf die nachfolgenden Generationen zu pflegen. Nach einem Gedenkrundgang zu den Haustüren ehemaliger jüdischer Bewohner*innen des Stuttgarter Ostens wird die Initiative Stolperstein Stuttgart-Ost gegründet mit Mitgliedern aus den Kirchengemeinden, dem WERK, der Stadtteilbibliothek und dem Kulturtreff Stuttgart-Ost

1999 Die neu entstandene Stolpersteininitiative stellt ihr erstes Arbeitsergebnis mit der Ausstellung „Tür an Tür“ in der Stadtbibliothek vor. Später wird die Ausstellung nochmals im Muse-O gezeigt.


2000
Auf Initiative Maria Reif, die 1944 siebzehnjährige  Schreibkraft beim Stuttgarter Landesfürsorgeamt die Akten der Mulfinger Kinder zu arbeiten hatte, befasst sich die Stadtverwaltung Stuttgart mit der Verstrickung der Sozialverwaltung und der Sozialen Arbeit in nationalsozialistische Verbrechen. Da als Sinnbild für die Registrierung, für die Erfassung der Menschen als Fälle Aktenordner stehen, schafft der Künstler Wolfram Isele, Gründungsmitglied der Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost ein Denkmal bei dem 39 Aktenordner für die Mulfinger Kinder stehen. Der 2,80 m hohe Block aus Muschelkalk steht seit Juni 200 öffentlich zugänglich im Eingangsbereich des Jugendamtes in der Wilhelmstr. 3.

2001 Während das neue Bezirksrathaus in der Ostendstraße gebaut wird, schlägt die Initiative Stolperstein Stuttgart-Ost dem Bezirksbeirat vor, zur Eröffnung mit einer Stele am Eingangsbereich zu gedenken, auf der Namen und Adressen der Ostheimer Opfer eingraviert sind. Waren es doch die Meldebehörden, die jüdische Bürger aus dem Adressbuch in einen separaten Teil aussortiert und ihnen Sonderausweise mit den Namenszusätze Israel und Sarah gaben. In einer turbulenten Sitzung lehnt die Ratsmehrheit diese Form des Gedenkens ab.


2002 Die Initiative Stolperstein Stuttgart-Ost nimmt mit Gunter Deming Kontakt auf, lädt ihn ein, führt ihn durch den Stadtteil und hört sich seine Projektvorstellung an. 

Die Initiative Stolperstein Stuttgart-Ost nimmt wendet sich an Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Dieser stimmt der Verlegung von Stolpersteinen grundsätzlich zu. Weitere Vereinbarungen werden mit städtischen Ämtern getroffen.

Die Initiative Stolperstein Stuttgart-Ost bereitet die Verlegung von Stolpersteinen vor, recherchiert dazu im Stadtarchiv und im Hauptstaatsarchiv und wirbt in der örtlichen Presse für das Projekt. Eine große Spendenbereitschaft ermöglicht die Verlegung der ersten 40 Stolpersteine.


Oktober 2003: Erste Verlegung von Stolpersteinen in Stuttgart: Für das Arztehepaar Holzinger in der Landhausstr. 181 am Ostendplatz mit Lesung des Theaters im Depot und Begleitung des WERK. Das Kulturamt unterstützt die Benachrichtigung von Angehörigen – mit einer Resonanz von mehr als 80 Briefen, Telefonaten und E-Mails.


Frühjahr 2004: Gründung weiterer Initiativen in den Stadtteilen S-Süd, S-Mitte, S-West, S-Nord, Fildern, S-Bad Cannstatt, Neckarvororte, S-Feuerbach und S-Zuffenhausen, damit Stolpersteine, die von Angehörigen aus Israel und den USA auch in weiteren Stuttgarter Stadtteilen gewünscht werden, verlegt werden können.

www.stolpersteine-stuttgart.de entsteht als gemeinsame Homepage.

Ein Recherchenetzwerk zur Erforschung der Geschichte der Stuttgarter Sinti entsteht.
Der Autor Michail Krausnick beschreibt in seinem Buch "Auf Wiedersehen im Himmel" das Leben der Angela Reinhardt, einer der wenigen überlebenden "Mulfinger Kinder". 


September 2005: An der Stolpersteinverlegung für ihre Mutter Berta Rauner nimmt ihre Tochter als erste Angehörige, die aus dem Ausland anreist, teil. 


April 2006: Angehörige aus Israel, aus New York und aus Paris reisen zur fünften Stolpersteinverlegung an, in Stuttgart lebende Verwandte melden sich. 

Weitere „Opfergruppen“ rücken in den Blick durch die Verlegung von Stolpersteinen für